Taipei

Unser Flug von Manila nach Taipei war recht kurz und angenehm. Es war das erste Mal seit langem, dass wir sogar etwas zu essen und einen Fernseher im Flugzeug hatten, da wir mal nicht mit irgendeiner asiatischen Low-Cost-Airline flogen 😀 eigentlich war dieser Flug ja schon Teil unseres Flugs von den Philippinen nach Hause nach Deutschland. Sechs Wochen zuvor hatten wir Flüge verglichen und geschaut, wie wir möglichst günstig von den Philippinen heim nach Deutschland kommen können. Ich wäre sehr gerne mit Emirates heimgeflogen und hätte ein Stopover in Dubai machen wollen, aber die Flüg waren zu teuer, mit Abstand am günstigsten war immer China Airlines mit einem Umstieg in Taipei. Also beschlossen wir, einfach dort ein Stopover zu machen, ohne uns jemals mit dem Land und der Stadt beschäftigt zu haben und ohne irgendwie einen Plan zu haben, was dort auf uns zukommen würde.

Gegen Mittag kamen wir am Flughafen von Taipei an. Wir fanden gleich einen Bus, der uns ins Stadtzentrum brachte. Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde, in der wir einen Eindruck vom letzten kleinen Ziel unserer Reise bekommen konnten. Viele Hochhäuser, überall ausschließlich chinesische Schriftzeichen, nette Menschen und furchtbar dummes Fernsehprogramm direkt im Bus.

Vom Busterminal aus mussten wir dann noch eine Weile zu unserem gebuchten Hostel gehen. Die Stadt erschien uns ziemlich geordnet, der Verkehr war wesentlich angenehmer als in Manila, Bangkok oder anderen asiatischen Großstädten und unser Weg führte durch Einkaufsstraßen und grüne Parks. Unser erster Eindruck war auf jeden Fall sehr positiv. Das Wetter war eine gute Eingewöhnung an Deutschland, mit knapp 20 Grad, vielen Wolken und immer wieder Regen.

Im Hostel angekommen bezogen wir das letzte Zimmer auf unserer Reise – so vieles geschah nun zum letzten Mal und es war irgendwie ein komisches Gefühl. Nachdem die Dame von der Rezeption uns eine dunkle Kellertreppe hinab führten, haben wir schon gedacht, wir hätten irgendwas schreckliches gebucht, aber unser Zimmer war sehr schön und wir fühlten uns gleich wohl.

Gegen Abend bummelten wir dann noch durch die Straßen im belebten Viertel Ximending, ließen die Stadt auf uns wirken und genossen es in vollen Zügen. Es gab diverse Straßenstände überall mit Essen und vielem unnötigen Krimskrams und war nochmal ganz anders als die Länder und Städte, die wir bisher besucht hatten. Auch die fremde Schrift, die man überall sah, verstärkte das Gefühl des Fremden und machte es irgendwie noch ein bisschen spannender. Da wir beide wussten, dass unsere große, tolle Reise so bald vorbei sein würde, sogen wir alle Eindrücke, Geräusche, Gerüche in uns auf. Wir freuten uns schon total auf zuhause, aber so langsam kamen auch traurige Gefühle in uns auf.

Am nächsten Vormittag machten wir uns nach einem späten Frühstück auf den Weg zur Metro, wo wir uns einen Tagespass kauften. Das Metrosystem war leicht überschaubar, sehr modern und hatte perfekte Verbindungen zu den Sehenswürdigkeiten, die wir uns an diesem Tag anschauen wollten. Leider war das Wetter schlechter als am Vortag, es war grau, sehr bewölkt und regnete immer wieder. Wir hofften einfach mal, dass wir einigermaßen trocken bleiben würden und fuhren zuerst zum Taipei 101, das bis 2007 das höchste Gebäude der Welt war.

Von unten sah das Gebäude mit 508 Metern Höhe schon beeindruckend aus, wie ein großer Bambusstock. Natürlich wollten wir auch hochfahren wenn wir schon mal in Taipei waren und die Möglichkeit hatten, von solch einem hohen Gebäude über die Stadt zu blicken. Im 89. Stockwerk gibt es eine Aussichtsplattform und auch das riesige Pendel, das die Schwingungen der fast täglichen Erdbeben in Taiwan ausgleichen soll, kann man sich anschauen. Das Wetter war allerdings so schlecht, dass wir kaum die Häuser direkt hinter dem Taipei 101 erkennen konnte. Auch die Spitze des Hauses war von unten nur schwer erkennbar, es war neblig und diesig. So entschieden wir uns letztendlich, das Geld für die Fahrt nach oben zu sparen, da wir sowieso nur wenige Meter weit hätten blicken können. War zwar schade, hätte aber anders keinen Sinn gemacht.

Wir fuhren weiter zur Chiang-Kai Shek Memorial Hall. Die Gedächtnishalle zum Andenken an den langjährigen Präsidenten Chaing-Kai Shek befindet sich auf einem wunderschönen Platz. Auf einer Seite steht ein großes, prachtvolles Tor, gegenüber davon führen Stufen zur Memorial Hall hoch. Links steht das Nationaltheater, rechts die Nationalkonzerthalle, beide wunderschön bunt verziert und riesig. Dazwischen sind überall Blumenbeete, der ganze Platz war sehr beeindruckend und echt schön.

Wir schauten uns um, zwischen vielen hauptsächlich chinesischen Touristen die noch eifriger als wir am Fotos knipsen waren.

Danach regnete es schon wieder ein bisschen, aber wir machten uns zu Fuß auf den Weg zurück Richtung Hostel. Unterwegs hielten wir noch beim Präsidentenpalast an und bummelten durch die Straßen Taipeis.

Gegen Abend nutzen wir dann noch einmal unser U-Bahnticket und fuhren zum berühmten Shilin-Nachtmarkt. Es war sehr viel los, schon in der U-Bahn und an den Stationen. Der Nachtmarkt findet jeden Tag von spät nachmittags bis in die frühen Morgenstunden statt und ist ein sehr beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Es gab viele Straßenstände mit Essen, aber auch diverse andere Dinge zu kaufen wie beispielsweise kitschige Handyhüllen, Figuren und anderes Plastikzeug.

Wir erkundeten den Nachtmarkt und gingen danach zurück auf unser Zimmer – die letzte Nacht unserer Reise stand an.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf und dann ging das packen los. Es war nicht wie sonst, dass wir alles flott in unsere Rucksäcke packten, wir sortierten alles aus, was wir am nächsten Tag und zuhause nicht mehr brauchen würden, warfen ein paar Kleider weg und erleichterten unserer Backpacks um ein paar Kilo. Es wurde genau sortiert, was wir am Flughafen oder auf dem Flug im Handgepäck noch brauchen würden, die Mitbringsel wurden sicher verpackt und alles bereit für die Heimreise gemacht. Gegen Mittag mussten wir aus dem Zimmer auschecken, konnten unser Gepäck aber noch im Hostel lassen.

Mit den wichtigsten Wertsachen bepackt gingen wir erst etwas essen und dann zu Fuß weiter zum Longshan-Tempel. Dieser ist der bekannteste und älteste Tempel Taipeis und ebenfalls ein buntes Gesamtkunstwerk mit zahlreichen Bronzestatuen, Schnitzereien und Steinbildhauereien. Wir waren in den letzten Monaten in so vielen unterschiedlichen Tempeln verschiedener Religionen – dieser chinesisch-buddhistische Tempel hier war wieder komplett anders! Die Besucher warfen irgendwelche Stäbchen aus Holz auf den Boden, hoben sie auf und wiederholten das ganze – das Ritual haben wir bis jetzt nicht ganz verstanden. Außerdem gab es diverse Opfergaben wie Obst und Blumen. Nach einer Weile in dieser anderen Welt machten wir uns langsam wieder auf den Rückweg Richtung Hotel. Es fing schon wieder an zu regnen und wir mussten uns am Ende beeilen, schnell ins Hostel zu gelangen.

Wir schnappten uns unsere Rucksäcke, gingen zum Busbahnhof und kauften uns ein bisschen früher als geplant ein Ticket zurück zum Flughafen. Inzwischen waren wir ziemlich nass und deshalb hatten wir keine große Lust mehr, die Zeit in der Stadt rumzubringen. Am Flughafen angekommen konnten wir recht bald unser Gepäck abgeben und einchecken und brachten die restliche Zeit mit Serien und Abendessen rum. Und irgendwann abends war es soweit…der Flug nach Frankfurt, nach Deutschland, nach Hause stand an! Die Gefühle waren sehr gemischt, aber von unserem Nachhausekommen werden wir in einem separaten Artikel berichten.

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