Vom nachhause kommen

Die letzten Tage, bevor unser Flug zurück nach Deutschland ging, stieg die Vorfreude. Wir freuten uns, unsere Familien und Freunde nach über 8 Monaten endlich in die Arme schließen zu können, aber auch auf ganz andere Dinge wie manche Gerichte, das eigene Bett, mal wieder andere Kleider als immer die gleichen aus dem Rucksack anzuziehen, Klopapier ins Klo werfen zu können, einen Frisörbesuch, Auto zu fahren, geregelter Straßenverkehr, weniger Luftfeuchtigkeit und viiiieles mehr. Aber es waren natürlich auch traurige Gefühle dabei! Bald war diese wunderbare Reise vorbei und der graue Arbeitsalltag in Deutschland erwartete uns. So kamen trotz der großen Vorfreude immer wieder Momente, in denen ich die Tränen runterschlucken musste. Am Flughafen in Taipei holte uns dann das erste „typisch deutsche“ schon ein. Wir saßen am Gate, bereit an Bord der Maschine zu gehen, die uns nach Hause bringen würde, als eine Durchsage kam – „In Frankfurt am Flughafen wird gestreikt von 05:00 bis 15:00 Uhr, das Gepäck wird deshalb wahrscheinlich nicht ausgeladen. Sie haben entweder die Möglichkeit, zu warten, was wahrscheinlich bis nach Streikende dauern wird, oder sich das Gepäck in den kommenden Tagen an den nächstgelegenen Flughafen schicken zu lassen.“ Wir ärgerten uns, nach so vielen problemlosen Flügen mit den günstigsten asiatischen Airlines machten es uns die Deutschen zum Abschluss noch schwer mit einem Streik. Der Flug startete dann zum Glück relativ pünktlich und am nächsten Morgen nach ein bisschen Schlaf und ein paar Filmen landeten wir eine Stunde früher als geplant um 06:00 in Frankfurt.

Da wir so früh landeten, wurde auch unser Gepäck von einer einzelnen armen Person ausgeladen (die sicher am gleichen Tag noch der Gewerkschaft beigetreten ist :-D) und wir gönnten uns erst mal direkt am Flughafen eine überteuerte Brezel! Dann folgte endlich das erste Wiedersehen – Toms Eltern und überraschenderweise auch meine Schwester holten uns ab Flughafen ab 🙂 als wir das Flughafengebäude verließen traf uns aber erst noch kurz der Kälteschock. Obwohl schon Ende April war, war es an diesem Morgen nochmal extrem kalt und wir hatten nicht mal richtige Jacken dabei, so dass uns die 2°C nicht gerade erfreuten. Wir waren also umso glücklicher als wir im Auto saßen, es war ein tolles Gefühl die ersten Leute wiederzusehen und die Heimfahrt verging trotz Staus recht schnell. Der geregelte, deutsche Verkehr tat dabei auch echt mal wieder gut.

Gleich nach Ankunft bei Tom zuhause folgte dann auch gleich – typisch Deutschland – der erste Behördengang. Wir mussten uns arbeitslos melden und das noch am Tag der Rückkehr! Schon danach waren wir wieder an so einem Punkt, an dem wir von Deutschland in gewisser Weise schon wieder genug hatten…

Es folgten zum Glück direkt danach die Wiedersehen mit meinen Eltern und meinem Hund – und das war einfach wunderbar! Ich war so glücklich sie endlich wiederzusehen und in die Arme schließen zu können, von unseren Erlebnissen zu erzählen, in unserem Haus zu sein und festzustellen, dass sich wirklich kaum etwas verändert hatte. Auch als wir zuhause Willkommens-Schilder vorfanden, freuten wir uns so sehr über unsere tollen Familien und Freunde!

Die kommenden Tage waren eigentlich durchweg positiv. Wir trafen uns nach und nach mit all unseren Freunden und Verwandten und waren total happy darüber, aßen worauf wir uns so lange gefreut hatten und genossen es, wieder zuhause zu sein. Es tat so gut, die lieben Menschen zuhause wieder zu sehen, die man so lange vermisst hatte. Nur eine Woche nach unserer Rückkehr war in unserer Heimatstadt ein Fest, das jedes Jahr ein absolutes Highlight ist, und wir hatten großen Spaß mit unseren Freunden.

Aber schon kurz danach wurden unserer Glücksgefühle ein wenig durchzogen von den ersten negativen Gefühlen. Das Fernweh kam früher als gedacht auf, wir vermissten das umherreisen, morgens zu entscheiden, worauf wir denn heute Lust haben, zu tun und lassen was wir gerade wollten, entspannt am Strand zu liegen, immer essen zu gehen und auch diese Mentalität in Asien, die so ganz anders als in Deutschland ist, herzlicher und wärmer.

Wir freuten uns total, unserer Freunde wiederzusehen, aber selbst da stresste es uns manchmal, ein Treffen schon eine Woche vorher abmachen zu müssen und am besten auch schon zu wissen, was genau man machen möchte. Die Spontanität, die monatelang unser Leben bestimmte, funktionierte zurück zuhause so einfach nicht, dort ist immer alles geregelt, pünktlich und strikt, was natürlich auch riesige Vorteile hat. Aber trotzdem ist es nach so vielen Monaten auf Reisen irgendwie schwierig, in das deutsche „normale“ Leben zurückzufinden.

Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern irgendwie unentspannter und weniger freundlich. Uns fehlten also schnell gewisse Dinge wie das Meer, das tauchen, das gute asiatische Essen, die günstigen Preise und so richtig, zu hundert Prozent glücklich blieben wir zurück in Deutschland leider nicht lange.

Bald begann natürlich auch die Jobsuche, die einen schnell wieder in das alte Leben vor der Reise zurückwirft. Mittlerweile arbeiten wir beide seit 6 Wochen wieder mindestens 8 Stunden täglich, schwelgen in Erinnerungen an die wunderbare Reisezeit und wünschen uns oft zurück in das wunderbare Leben, das wir bis vor kurzem geführt haben. Aber die Planung für die nächsten Reisen läuft ja bereits 😉

2 thoughts on “Vom nachhause kommen

  • Oh jaaa… das kennen wir! Und wir waren auch nur 6 Monate weg. Uns hat das aber auch richtig genervt immer so weit im voraus etwas ausmachen zu müssen und nicht flexibel sein zu können. Jetzt sind wir Gott sei Dank wieder On the Road, zwar noch in Deutschland aber einfach unterwegs. 😀

    Wo wollt ihr denn als nächstes hin? 🙂

    Liebe Grüße

    Sara

    • Ja, das ist dann schon wieder eine Umstellung vom entspannten, spontanen Reiseleben 😀
      Wir sind uns noch nicht ganz einig und sicher, aber es wird Ende November wieder eine Fernreise werden 😉

      LG aus dem zum Glück auch schönen Süddeutschland

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