Früher war tauchen so etwas fernes für uns, das haben die Leute mit mehr Geld gemacht oder hat man im Fernsehen gesehen. Und „früher“ ist noch gar nicht lange her, vielleicht zwei Jahre. Und jetzt hat uns die wunderbare Unterwasserwelt so gepackt, dass wir ihr einen Artikel widmen, über die Gedanken und Gefühle beim Tauchen berichten wollen und davon wie der Tauchschein abläuft. Vielleicht können wir ja sogar jemanden davon überzeugen, den Tauchschein zu machen, der kurz vor der Entscheidung steht und sich noch nicht ganz sicher war 😉

Als unsere ersten Reiseziele, Indonesien und Australien, grob feststanden, hatte ich plötzlich die Idee – man könnte doch den Tauchschein machen?! Dass so eine Idee von mir kommt, grenzt schon an ein Wunder. Ich hatte früher immer Angst vor dem Meer, bin manchmal kaum ins Wasser gegangen und wenn, dann nur so, dass man noch stehen kann und sieht, was da um einen rum ist. Von einem Boot aus weiter draußen im Meer ins Wasser zu gehen und da mit vielen Metern unter mir zu schwimmen war ein furchtbarer Gedanke. Geschnorchelt bin ich ein paar Mal und fand es auch ganz cool, da ich einfach sehen konnte, was sich unter mir befindet. Und dann hatte ich plötzlich diese Idee, die sich in meinem Kopf festgesetzt hatte. Ich hatte schon vorab Angst und wusste, es wäre eine große Überwindung für mich, aber genau das wollte ich – mich überwinden und die unheimliche Welt unter Wasser kennen lernen. Tom hatte sich vorher auch noch nie Gedanken darüber gemacht, den Tauchschein zu machen, fand die Idee aber nach anfänglichen Zweifeln nicht schlecht. Nach ein paar Gesprächen mit Freunden und Kollegen, die das Zertifikat bereits haben, stand also fest, dass wir Open Water Diver werden würden 🙂 meine Freundin Ness, die mit uns nach Indonesien ging, wo wir den Tauchschein erwerben wollten, fand die Idee super und entschied sich gleich mitzumachen und Max, den wir in Australien trafen, machte noch in Deutschland den Tauchschein, um mit uns am Great Barrier Reef tauchen zu können.
Eine Woche nach Beginn unserer Reise fuhren wir dann schon zu dritt von Bali nach Gili Trawangan. Wir hatten uns vorab über die Angebote der Tauchschulen auf den Gili Inseln erkundigt und uns nach einigen Emails, um alle offenen Fragen zu klären, für Manta Dive entschieden. Tom und ich hatten die Theorie schon vorher online absolviert, Ness musste das anhand von Filmen und Fragebögen noch vor Ort erledigen.

Als Start unseres Tauchscheins mussten wir erst Filme anschauen, die über die Risiken beim Tauchen aufklären (und davon gibt es genug!) und dann suchten wir schon mit unserem Tauchlehrer Phil die passende Ausrüstung für uns raus. Jeder bekam eine Taucherbrille, Flossen, einen Neoprenanzug und die Tarierweste mit Flasche. Wir verbrachten fast den ganzen Tag im Pool und lernten langsam unsere Ausrüstung kennen und alle Skills, die man unter Wasser können muss. Wir lernten beispielsweise wie man auf- und absteigt, wie man Wasser aus der Brille bekommt, wenn welches hereinkommt, oder was man tut, wenn man den Inflator, aus dem man atmet, aus dem Mund fällt. Außerdem übten wir, wie man unter Wasser die perfekte Tarierung findet, so dass man auf einer konstanten Höhe unter Wasser bleibt, wie man den Bleigurt aus und wieder anzieht, wie man die Atemluft teilt, falls der Buddy ohne Luft sein sollte und vieles mehr. Phil erklärte uns vorher immer jede Übung, machte sie uns dann unter Wasser vor und wir mussten sie alle wiederholen, bis es jeder perfekt gemacht hatte. Wenn man einen Fehler machte, zeigte er es einfach nochmal und man wiederholte die Übung. Wir hatten das große Glück und waren nur zu dritt mit Phil, so dass man auch nie lange warten musste. Die Übungen klappten ziemlich gut bei uns allen, so dass wir uns dort unter Wasser schnell recht sicher fühlten und uns an das Atmen dort gewöhnten. Als Phil uns dann am Nachmittag mitteilte, dass es am folgenden Tag zu zwei Tauchgängen raus ins Meer gehen würde, wurden wir natürlich nervös, aber freuten uns auch.

Am nächsten Morgen ging es dann für uns auf das kleine Tauchschiff von Manta Dive, mit dem wir und die anderen Taucher raus aufs Meer fuhren. Tom blieb ziemlich cool, Ness und ich haben uns fast in die Wetsuits gemacht auf dem Weg zum Tauchspot Meno Bounty 😀 wir hatten wirklich Angst in dem Moment und uns war vor lauter Nervosität richtig schlecht. Dementsprechend konnten wir uns auch nicht gegenseitig beruhigen, sondern wir machten es nur noch schlimmer 😀 Wir zogen die komplette Ausrüstung an und ließen uns nach Phils Erklärungen rückwärts von der Kante des Boots ins Wasser fallen. Nach einer kurzen Rücksprache, ob wir alle bereit wären, ging es dann auch schon nach unten. Vor diesem Moment hatten wir am meisten Angst. Durch das Ablassen der Luft aus der Weste sinkt man nach unten, bis man die gewünschte Tiefe erreicht hat, macht dabei immer wieder einen Druckausgleich für die Ohren und wenn man auf der Tiefe ist, muss man die perfekte Tarierung finden, in dem man ein wenig Luft in die Weste lässt. Ab dann sollte man eine neutrale Tarierung haben und nicht unkontrolliert auf- oder absteigen. Man regelt alles nur noch mit der Atmung – tiefes Einatmen und man steigt ein bisschen nach oben und beim Ausatmen nach unten, bei normaler, gleichmäßiger Atmung bleibt man auf der gleichen Höhe. Sobald wir alle gemeinsam unten angekommen waren, war unsere Angst zum Glück verflogen und wir finden an uns zu entspannen.

Unser erster Tauchgang war alles andere als perfekt tariert, wir sind ständig auf- und abgestiegen, aber es war auch so aufregend und toll, das erste Mal im Meer zu tauchen, dass man immer vergaß, sich auf die Atmung oder die Tarierung zu konzentrieren. So eine wunderschöne neue Welt, die wir da kennenlernten und durch die wir frei schwebten, es war ein unglaubliches Gefühl. Wir mussten ein paar Skills absolvieren und folgten Phil dann durch die beeindruckende Unterwasserwelt, beobachteten bunte Fische, Korallen und sogar Schildkröten und waren voller Glücksgefühle. Nachdem wir einige Weile herumgetaucht waren, stiegen wir auf und ließen uns vom Boot abholen. Damit war die größte, erste Überwindung überstanden.

Auch die weiteren Tauchgänge an den unterschiedlichen Tauchspots rund um die Gili Inseln waren ein Traum. Wir lernten immer besser mit unsere Atmung umzugehen und die Tarierung neutral zu halten und hatten bei jedem Tauchgang mehr Spaß und ein größeres Gefühl der Sicherheit. Es gab auch kleine Zwischenfälle, zum Beispiel als ich das Wasser aus der Taucherbrille machen sollte und plötzlich noch viel mehr Wasser drin war. Ich erschrak, konnte nichts mehr sehen, nicht mehr atmen, weil ich das Wasser plötzlich in der Nase und überall hatte und bekam Panik, auch wenn eigentlich nichts passieren konnte. Ich wiederholte die Übung dann noch oft mit Phil und es hat immer geklappt, aber selbst jetzt bin ich noch ein bisschen nervös, wenn ich das Wasser raus machen muss. Außerdem drehten Ness und ich vorm zweiten Tauchgang fast durch, als wir auf dem Weg zum Manta Point für unseren zweiten Tauchgang plötzlich aufgrund von starken Strömungen die Richtung wechselten, um zum Shark Point zu fahren. Im Endeffekt sahen wir dort nicht mal einen Hai, sondern erst bei einem späteren Tauchgang am Manta Point, aber da freuten wir uns dann auch darüber 😀

In den ersten drei Tauchgängen mussten wir noch alle Skills durchgehen, bis jeder alles mehrmals erfolgreich absolviert hatte. Außerdem mussten wir nach dem dritten Tauchgang noch eine Theorieprüfung mit 50 Multiple-Choice-Fragen schreiben, in der die Risiken beim Tauchen, die Vorgehensweisen und alles was wir gelernt hatten abgefragt wurde. Nach Bestehen konnten wir den vierten und letzten Tauchgang des Open Water Divers dann einfach nur noch genießen und das taten wir – wir bewunderten in aller Ruhe die tolle Unterwasserwelt Indonesiens, in der es so viel zu sehen gab und genossen auch das neue Gefühl der Freiheit, wenn man durch das Wasser schwebt und unter Wasser atmen kann. Auch bei unserem Fundive, den wir am Tag nach Abschluss des Tauchscheins noch machten, hatten wir großen Spaß.

Wir waren alle verliebt in diese für uns neue, wunderschöne Welt. Das Tauchen hatte uns auch viele Ängste genommen. Nach einem Tauchgang trieben wir auf der Wasseroberfläche und mussten ein bisschen warten, bis uns das Schiff abholte. Wir waren total entspannt und genossen die Sonne und sprachen darüber, dass wir noch ein paar Tage zuvor durchgedreht wären in solch einer Situation, aber plötzlich war alles gar kein Problem mehr.

Auch die Atmosphäre in der Tauchschule hatte uns total gefallen, es war so gechillt und entspannt, alle Leute waren cool drauf und man fühlte sich von Anfang an gut aufgehoben. Manta Dive war eine tolle Tauchschule, wir hatten einen super Lehrer und können eine Tauchausbildung dort nur weiterempfehlen. In den drei Tagen dort haben wir alles in einem angenehmen Tempo gelernt und durchgeführt und es wurde sich sehr auf die Bedürfnisse der Schüler angepasst.

Für Tom und ich mich war schnell klar, dass wir das Tauchen auf unserer Reise weiter machen würden. In Indonesien hatten wir dann leider keine Möglichkeit mehr zu tauchen, aber das nächste Mal ließ zum Glück nicht lange auf sich warten. Ungefähr drei Wochen nach Bestehen des Tauchscheins kamen wir in Cairns in Australien an und buchten gemeinsam mit unserem Freund Max gleich für unseren zweiten Tag dort einen Tauchtrip mit Down Under Dive. Das Great Barrier Reef war ja bekannt als das Tauchgebiet und so waren wir sehr gespannt, was uns hier erwarten würde. Wir fuhren mit einem großen Schiff raus aufs Meer mit ein paar anderen Tauchern und vielen Schnorchlern und bekamen gleich am Anfang Instruktionen zu der Ausrüstung, der Tierwelt und den Handzeichen. Für uns war es ja der erste Tauchgang wo anders als dort, wo wir es gelernt hatten, aber zum Glück war es von der Ausrüstung, den Zeichen und allem kein Unterschied zwischen Gili Trawangan und Australien.

Wir absolvierten hier drei Tauchgänge mit einem Guide (theoretisch dürften wir auch alleine tauchen, aber da wir die Tauchspots nicht kannten, kam das gar nicht in Frage). Man fühlte sich schnell wieder sicher unter Wasser und wir genossen die ruhige Atmosphäre, während wir Haie, Schildkröten und riesige Korallenberge bewunderten und durch kleine Höhlen und Tunnel tauchten. Das Great Barrier Reef hatte echt tolle Tauchspots, wobei der Unterschied zu Gili Trawangan nicht so groß war wie erwartet.

Noch immer hatten wir einen verhältnismäßig hohen Luftverbrauch, aber an sich klappte alles echt gut und wir merkten mit jedem Tauchgang, wie wir besser wurden. Trotzdem war ich vor jedem Tauchgang sehr aufgeregt und nervös, bis ich mal unten war, und dann ist alles super und ich kann es genießen. Wir hätten vorher nie gedacht, dass uns die Unterwasserwelt mal so packt, aber es ist passiert 🙂

Inzwischen haben wir noch einige Taucherfahrungen mehr gemacht, über die wir euch im zweiten Teil berichten und auf unsere Taucherlebnisse in Neuseeland und Thailand sowie Weiterbildungsmöglichkeiten eingehen.