Nach unseren tollen Taucherfahrungen in Indonesien und Australien, über die wir schon in unserem erstem Tauchartikel berichtet hatten, wollten wir auch in Neuseeland mal unter anderen Bedingungen tauchen gehen. Wir entschieden uns nach einigen Recherchen dafür, im Milford Sound, einem Fjord auf Neuseelands Südinsel, mit Descend Scubadiving zu tauchen.

Das Tauchen im Milford Sound ist etwas ganz Besonderes. Durch den vielen Regen (der Milford Sound ist der zweitnasseste Ort der Erde) und die daraus entstehenden Wasserfälle, die von den umliegenden Klippen ins Wasser fließen, liegt eine Süßwasserschicht über dem Salzwasser. Je nach Jahreszeit und Wetterlage ist diese mehrere Meter dick. Durch die Schicht dringt weniger Licht ins Wasser und es leben dort Fische und Korallen, die normalerweise viel tiefer leben. Ein Beispiel dafür ist die Schwarze Koralle. Sie kommt eigentlich erst in circa 100 Metern Tiefe vor. Was man ebenfalls über die Schwarze Koralle wissen sollte: Sie ist weiß 😀 erst wenn sie stirbt wird sie schwarz.

Außer den außergewöhnlichen Lichtverhältnissen war es für uns das erste Mal, dass wir in kaltem Wasser tauchten, was gleich zu einem ganz anderen Taucherlebnis führt.

Aufgrund der fehlenden Helligkeit unter Wasser bekamen wir alle Taschenlampen für die zwei gebuchten Tauchgänge. Aber auch die restliche Ausrüstung unterschied sich sehr von unseren bisherigen Erfahrungen mit dünnen Wetsuits. Wir bekamen sieben Millimeter dicke Halbtrockenanzüge, über die wir wegen der Wassertemperatur von nur 12 °C noch mehrere Westen zogen. Außerdem trugen wir Socken, Stiefel, Handschuhe und eine Kapuze. Ich fühlte mich in der Ausrüstung nicht ganz wohl und hatte das Gefühl, ich könnte mich kaum bewegen durch die ganzen Schichten und hatte beispielsweise auch Schwierigkeiten, mit Handschuhen an unter Wasser meine Taucherbrille zu richten, aber vor der Kälte waren wir perfekt geschützt. Anfangs strömte das kalte Wasser an einigen Stellen in die Anzüge rein, aber man bemerkte die Kälte kaum.

Zu Beginn der Tauchgänge musste man durch die Süßwasserschicht durch. Auf diesen Metern konnte man nur ganz verschwommen sehen, aber sobald man die Schicht durchquert hatte, war die Sicht wieder klar. Es war ziemlich dunkel unter Wasser und wir waren froh über die Taschenlampen, mit denen man seine Entdeckungen viel besser betrachten konnte. Das Tauchen war sehr interessant. Wir sahen unter Wasser einige Exemplare der schwarzen Koralle, Fischschwärme und große Hummer. Mit viel Glück kann man am Milford Sound auch mit Robben oder Delfinen tauchen, wir sahen sowohl Robben als auch Pinguine und Wale „nur“ vom Boot aus.

Im kalten Wasser ist es schwieriger, die perfekte Tarierung zu halten. Ich hatte damit vor allem bei unserem ersten Tauchgang Schwierigkeiten und musste mich sehr bemühen, unten zu bleiben, selbst nachdem ich zusätzliche  Gewichte bekommen hatte. Beim zweiten Tauchgang lief es dann zwar wesentlich besser als beim ersten und ich blieb die ganze Zeit unten, aber ich brauchte sehr viel Luft. Ich fühlte mich dadurch ein bisschen wie zu Beginn des Open Water Diver Kurses und war irgendwie von meinen Leistungen und dem Rückschritt enttäuscht.

Das Tauchen in Neuseeland war definitiv eine sehr interessante, einzigartige Erfahrung! Ich persönlich bevorzuge allerdings ganz klar wärmeres Wasser, bunte Korallen und farbenfrohe Fische und einen dünneren Anzug 😉

Unsere nächsten Tauchgänge fanden in Thailand statt, auf der kleinen Insel Koh Tao, die als Paradies für gutes, günstiges Tauchen gilt.

Dort wollten wir ein paar Fundives machen und wieder eine hellere, buntere und schönere Unterwasserwelt genießen. Wir erkundigten uns gleich am Anfang unseres Aufenthaltes auf der Insel bei einer Tauchschule nach den Preisen für Fundives und uns wurde vorgeschlagen, doch den Advanced Tauchschein zu machen. Bisher hatten wir uns darüber nie so richtig Gedanken gemacht. Für uns war klar, dass wir uns irgendwann als Taucher weiterbilden wollten und wir vielleicht ein paar Specialties wie Wracktauchen, Nachttauchen oder Unterwasserfotografie abschließen wollten, aber wir hatten uns noch nie so ganz damit auseinander gesetzt. Wir recherchierten eine Weile im Internet und waren irgendwann sicher, dass wir den fortgeschrittenen Tauchschein machen wollen. Bevor wir uns aber bei einer Tauchschule dazu anmeldeten, waren noch einige Fragen offen. Die größte Frage, die sich uns stellte, betraf die Unterschiede zwischen Padi und SSI, den zwei weltgrößten Tauchorganisationen. Es redete jeder vom „Advanced Open Water Diver“, aber dieser Titel ist bei den beiden Organisationen nicht das gleiche, was zwischenzeitlich zu großer Verwirrung und Unsicherheit bei uns führte! Nachdem wir aus dem Internet nicht zu hundert Prozent schlau wurden, liefen wir auf Koh Tao einige Tauchschulen ab, um die Preise zu vergleichen und genau diese Frage zu klären. Dort bekamen wir glücklicherweise überall gute Erklärungen. Hier der große Unterschied zwischen den Begrifflichkeiten:

SSI (unsere Organisation): nach der Open Water Diver Lizenzierung gibt es die Möglichkeit, den Advanced Adventurer Kurs zu machen. Bei diesem absolviert man fünf Tauchgänge, die je eine Specialty behandeln. So kann man in diese Specialties reinschnuppern, ohne sie ganz abzuschließen. Der Abschluss einer Specialty wie beispielsweise Tieftauchen würde jeweils mehrere Tauchgänge sowie mehr Theorie benötigen. Außerdem gibt es bei SSI die Zwischenstufe Advanced Open Water Diver. Wenn man 4 Specialties abgeschlossen hat und 24 geloggte Tauchgänge nachweisen kann, erreicht man diese Stufe automatisch.

Padi: Bei Padi ist man ein Advanced Open Water Diver, wenn man die fünf Tauchgänge mit je einer Specialty zum Reinschnuppern absolviert, es entspricht also in etwa dem Advanced Adventurer von SSI und wird wohl auch problemlos so anerkannt. Der Advanced Open Water Diver von SSI ist eine höherwertige Zwischenstufe auf dem Weg zum Divemaster ist, die es bei Padi so nicht gibt.

Nachdem wir uns also sicher waren, dass der Kurs zum Advanced Adventurer etwa dem des Advanced Open Water Divers von Padi entspricht und wir dadurch keine Nachteile haben, auch wenn der Name anders ist, entschieden wir uns für die Tauchschule Phoenix Divers und freuten uns auf die fünf Tauchgänge. Gemeinsam mit unserem Tauchlehrer Neil beschlossen wir, in die Bereiche Navigation, perfekte Tarierung, Nachttauchen, Wracktauchen und Tieftauchen reinzuschnuppern.

Nachdem wir uns am ersten Tag in der Tauchschule die passende Ausrüstung zusammen gesucht hatten, ging es auch schon aufs Tauchschiff. Dort bekamen wir von Neil eine Einleitung über den ersten Tauchspot und das, was uns dort erwarten würde. In unserem ersten Tauchgang wollten wir uns auf die perfekte Tarierung konzentrieren. Gerade weil ich in Neuseeland anfangs plötzlich Probleme damit hatte, war mir das wichtig, denn die perfekte Tarierung hilft einem in allen Bereichen des Tauchens. Man verbraucht automatisch weniger Luft, was zu längeren Tauchzeiten führt und kann auch ohne Probleme einfach irgendwo „stehen bleiben“, um etwas anzuschauen.

An unserem Tauchspot gab es eine Art Unterwasserparcours, die „Buoyancy World“. Es waren Ringe, Kästchen und Hindernisse auf unterschiedlichen Höhen und in verschiedenen Größen aufgebaut, durch die wir hindurch tauchten und unsere Tarierung dabei nur mit der Atmung steuerten. Wir absolvierten unterschiedliche Übungen, schwammen vorwärts, rückwärts und ohne Flossen durch die Hindernisse. Es klappte perfekt und fühlte sich gleich wieder viel besser an, so dass wir großen Spaß dabei hatten und man sich auch gleich sicherer unter Wasser fühlte. Die „Buoyancy World“ ist definitiv eine tolle Idee, um die Tarierung zu üben und zu perfektionieren. Nach dem Parcours hatten wir noch genügend Zeit und Luft, um uns ein Korallenriff anzuschauen und die Unterwasserwelt zu genießen.

Unser zweiter Tauchgang spezialisierte sich auf die Navigation. Es war ein ganz normaler Tauchgang mit tollen Korallen und Fischen, bei dem wir zwischendrin ein paar Übungen zur Kompass-Navigation machten. Wir mussten beispielsweise ein Quadrat schwimmen, außerdem sollten wir versuchen, die Orientierung unter Wasser zu behalten und wurden immer wieder gefragt, wo sich unser Tauchschiff befindet.

Der erste Tag des Kurses war schon mal ein voller Erfolg und abends hatten wir beide das Gefühl, das uns diese beiden Tauchgänge viel gebracht hatten. Neil war ein sehr erfahrener Taucher und ein guter Lehrer und konnte uns sehr viel beibringen, zum Teil nur Kleinigkeiten, die aber einen besseren Taucher ausmachen!

Vor unserem zweiten Tauchtag war ich sehr aufgeregt und hatte auch ein bisschen Angst, da ganz neue Herausforderungen auf uns zu kamen, aber wir freuten uns auch beide sehr darauf.

Nachdem wir wieder genaue Instruktionen und Informationen bekommen hatten, waren wir bereit für unseren Tauchgang bis auf 30 Meter Tiefe (bisher waren wir nur für 18 Meter lizenziert). Wenn man so tief geht, muss man einige zusätzliche Dinge beachten. Noch auf dem Schiff zeigte Neil uns eine Tafel mit knallig bunten Farben, von Rot- über Orange-, Gelb-, Grün- und Blautönen war alles dabei. Genau so zeigte er uns einen bunt verpackten Schokoriegel. Beides wollte er uns auf 30 Metern Tiefe noch einmal zeigen, um uns die Veränderung der Farben darzustellen. Außerdem mussten wir ein kleines Spiel absolvieren, wo wir auf einer kleinen Tafel die Zahlen von 1 bis 12 in der richtigen Reihenfolge antippen musste, während Neil die Zeit nahm und aufschrieb. Das gleiche sollten wir später auf 30 Metern Tiefe machen. Wenn man tiefer als 20 Meter geht, kann nämlich der sogenannte Tiefenrausch auftreten, auch Stickstoffnarkose genannt. Dieser zeigt sich in Form von einem eingeschränkten Urteilsvermögen und logischem Denkvermögen, Euphorie oder sogar Angst.  Sobald man wieder höher steigt, verschwinden die Symptome auch gleich.

Wir sprangen also in unserer Ausrüstung ins Wasser und stiegen langsam ab auf 30 Meter. Als ich auf meinem Tauchcomputer sah, war ich erst ganz erstaunt, dass wir bereits so tief unter Wasser waren, denn es kam mir nicht so vor. Man merkte keinen großen Unterschied zu 18 Metern. Wir suchten eine geeignete Stelle auf dem sandigen Boden, wo wir uns alle hinsetzten. Neil zeigte uns die Farbtafel und man konnte feststellen, dass vor allem die Rottöne eher wie braun aussahen und alle Farben verändert waren. Wir schauten uns noch alle den Schokoriegel an, bevor wir das Zahlenspiel machten. Wir waren alle langsamer als zuvor auf dem Schiff und man merkte die Auswirkungen der Tiefe. Das Denken verlangsamte sich und man findet alles irgendwie total cool und spannend, selbst wenn es etwas Unspektakuläres ist. Neil verglich den Tiefenrausch mit dem Trinken von Alkohol. Die restliche Zeit des Tauchgangs verbrachten wir mit riesigen Fischschwärmen um uns herum bei tollen Korallen, während wir langsam aufstiegen. Es war ein sehr schöner Tauchgang, den wir sehr genossen. Zurück auf dem Schiff sprachen wir über die Veränderung der Farben als auch des Denkvermögens und Neil klärte uns auf, dass der Schokoriegel, den er uns unter Wasser gezeigt hatte, ein viel kleinerer als der zuvor an Bord gewesen war und dass noch niemand das je bemerkt hatte 😀

Unser nächster Tauchgang behandelte das Wracktauchen. Wir wollten zuerst die  HTMS Sakttakut, ein 42 Meter langes Schiff, von außen besichtigen und anschließend zu einem weiteren Riff tauchen. Wir stiegen ab zum Wrack und sahen – nichts! Die Sicht war dort so schlecht, höchstens 1,50 Meter, man sah immer mal wieder direkt neben sich irgendetwas, konnte sich aber nicht länger damit befassen, da man mehr darauf konzentriert war, die anderen nicht zu verlieren. Aus diesem Grund verließen wir die HTMS Sattakut nach nur kurzer Zeit und bewunderten lieber schöne bunte Korallen und Fische bei wesentlich besserer Sicht. Es war ein sehr entspannter Tauchgang 🙂

Am gleichen Abend noch hatten wir schon den letzten Tauchgang unseres Advanced Adventurer Kurses, Nachttauchen. Wir bekamen alle Taschenlampen und die nötigen Instruktionen über Handzeichen und alles, was man bei Nacht beachten muss und gingen kurz nach Sonnenuntergang ins Wasser. Das Nachttauchen war der Tauchgang, vor dem ich vorher die meiste Angst hatte, da man nur sehen kann, was sich gerade im Schein der Taschenlampe befindet, nicht aber außen herum. Während dem Tauchgang war es aber gar nicht schlimm, sondern eher interessant. Man achtete viel mehr auf Kleinigkeiten, die sich gerade im Strahl der Taschenlampe befanden und machte sich gar keine Gedanken, was jetzt wohl außen herum gerade sein könnte. Wir konnten nachtaktive Fische und Tiere sehen, die tagsüber seltener anzutreffen sind. Außerdem machten wir einmal alle die Lampen aus und wedelten mit den Händen, wodurch die Kleinstlebewesen und Plankton um uns herum leuchteten, ein durch Biolumineszenz hervorgerufenes Phänomen. Zum Abschluss entdeckten wir noch eine riesige schlafende Schildkröte, die auf Koh Tao eher selten anzutreffen sind, und hatten einen dementsprechend gelungenen Nachttauchgang. Tagsüber gefällt uns das Tauchen besser, da man einfach mehr entdecken kann, aber es war eine tolle, interessante Erfahrung und wahrscheinlich nicht unser letzter Nachtauchgang. Nach Abschluss dieses Tauchgangs war unser Kurs auch schon beendet und wir konnten uns Advanced Adventurer nennen 🙂

Es war definitiv die richtige Entscheidung, uns auf diese Weise weiterzubilden. Wir fühlen uns nun noch viel sicherer und haben neue Herausforderungen bestanden. Der Nachttauchgang hat mir die letzte Angst vor dem unbekannten Meer genommen. Alle Tauchgänge haben uns viel weitergeholfen und wir haben das Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben und nun bessere Taucher zu sein. Unsere Tarierung und den Luftverbrauch hatten wir bei allen Tauchgängen sehr gut im Griff und wir genossen die Tauchgänge in vollen Zügen. Bei der Ruhe unter Wasser, bei der man nur sich selbst atmen hört, kann man die Unterwasserwelt in Ruhe bewundern und sich richtig entspannen. Wir wollen auf jeden Fall weiterhin viel tauchen und uns weiterbilden und können es jedem nur empfehlen, diesen so beeindruckenden Sport zu beginnen, der einem eine komplett neue Welt eröffnet.