In Thailand gibt es viele Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. Man kann Inlandsflüge mit mehreren Billigairlines buchen, jedes Reisebüro bietet Transfers in klimatisierten Bussen an oder man nimmt den Zug. Für diesen haben wir uns bei unserer Reise durch Thailand entschieden, da es in unseren Fällen meistens die günstigste Variante war und in Thailand zudem als das sicherste Verkehrsmittel gilt. Wir sind von Bangkok nach Hua Hin und Chiang Mai sowie nach Chumphon und von Surat Thani weiter nach Malaysia gefahren. Insgesamt haben wir knapp 60 Stunden in thailändischen Zügen verbracht und noch einige zusätzlich an den Bahnhöfen. In diesem Artikel haben wir nun alles Wissenswerte zum Thema Zugfahren in Thailand zusammengetragen.

Es gibt in Thailand vier Zuglinien, die Southern, Northern, Eastern und Western Line. Alle starten in Bangkok und führen zu den Endstationen Chiang Mai im Norden, Butterworth in Malaysia im Süden, Nong Khai im Osten und Aranyaprathet im Westen. Wir können dabei nur von unseren persönlichen Erfahrungen mit der Southern und der Northern Line berichten. Auf all diesen Strecken verkehren mehrmals täglich unterschiedliche Züge.

In Bangkok findet man den Hauptbahnhof Hua Lamphong mitten in der Stadt und kann diesen mit der Metro oder dem Bus gut erreichen. Es gibt dort Toiletten, Waschräume, einen Foodcourt sowie mehrere kleine Restaurants, eine große Wartehalle und natürlich Ticket- und Informationsschalter.

Buchen kann man die Zugtickets an jedem Bahnhof, in Bangkok gibt es extra einen Schalter für Ausländer, wo auch sehr gut englisch gesprochen wird. Zur Buchung sollte man den Reisepass mitnehmen, da die Nummer in das Ticket eingetragen wird.

Man kann die Tickets generell ab  60 Tagen im Voraus kaufen. Eine Vorausbuchung empfiehlt sich auch für die Betten im Nachtzug sowie Erste-Klasse-Sitzplätze, da diese besonders in der Hauptsaison oft ausgebucht sind. Da die thailändische Bahn direkt keinen Online-Verkauf anbietet, muss man es über einen der zahlreichen Vermittler im Internet buchen, die natürlich immer ein Vermittlungsentgelt verlangen. Wir haben ein Ticket vorab über 12go.asia gebucht, mit der Kreditkarte bezahlt und dieses dann gegenüber vom Hauptbahnhof in der Office abgeholt – hat alles super und ohne Probleme geklappt! Wenn man allerdings in der dritten Klasse einen Sitzplatz möchte, sollte es nicht nötig sein, das von zuhause online zu buchen (garantieren können wir aber leider nichts!). Wir hatten nie Probleme noch Plätze zu bekommen und zum Teil konnte man die Tickets nicht mal vorab buchen, sondern erst am Reisetag. Auf der Internetseite der thailändischen Bahn kann man sich die Zugzeiten sowie Preise schon vorher anschauen.

Man hat in der Regel die Auswahl zwischen drei Klassen sowie Schlafabteilen in manchen Nachtzügen.

Die dritte Klasse wird überwiegend von Einheimischen genutzt und bietet dünn gepolsterte Sitzbänke, die man sich zu zweit oder dritt teilt (wenn der Zug fast leer ist, kann man natürlich auch alleine sitzen!) sowie Ventilatoren. Die Fenster waren meistens geöffnet, so dass man durch den Fahrtwind ein wenig frische Luft abbekam (und dabei langsam, aber sicher immer rußiger wurde :-D), aber wenn der Zug stand, war es zum Teil schon sehr warm. Wir sind meistens in der dritten Klasse gereist, da es preislich am interessantesten war, und es war wirklich ok, aber je länger die Strecke, desto mehr tat einem der Po vom Sitzen weh. Kürzere Strecken von bis zu sechs, sieben Stunden waren für uns gar kein Problem, aber die fünfzehn Stunden nach Chiang Mai und zurück waren lange 😀 In Nachtzügen mit Sitzplatz würde ich aufgrund des Komforts lieber die zweite Klasse empfehlen, wenn man sich nicht sogar ein Bett gönnt, was aber einiges teurer ist. Außerdem sollte man wissen, dass wir in der dritten Klasse nie europäische Toiletten hatten, sondern nicht mehr als ein Loch im Boden! Toilettenpapier sollte man sicherheitshalber immer dabei haben 😉 die Züge waren aber alle immer relativ sauber und es wurde regelmäßig gefegt oder durchgewischt.

Die zweite Klasse hat besser gepolsterte, einzelne Sitze, die man ein bisschen nach hinten klappen kann und ebenfalls Ventilatoren. Für längere Strecken ist es dann doch mal angenehm, wenn man sich nach hinten lehnen kann und bequemer sitzt. Außerdem hat man ein bisschen mehr Platz für sich und auch für die Beine.

Die erste Klasse haben wir bisher aus Geldgründen nie getestet, aber es gibt auf jeden Fall eine Klimaanlage und mehr Komfort.

Auch in den Schlafwägen gibt es zwei unterschiedliche Klassen. Die erste Klasse bietet Abteile mit nur zwei oder vier Betten hinter geschlossenen Türen.

Die Betten in der zweiten Klasse befinden sich im Großraumabteil. Wir sind mit einem Schlafwagen der zweiten Klasse von Surat Thani nach Malaysia gefahren. Dabei hatte jeder sein Bett, dass am Morgen wieder zu Sitzen umgebaut wurde. Im Bett waren ein Kissen und eine Decke und es hat alles sehr sauber gewirkt. Man hatte einen Vorhang vor dem Bett, so dass man einigermaßen seine Ruhe und Privatsphäre hatte. Das untere Bett ist breiter als das obere und hat ein Fenster, ist aber auch ein bisschen teurer. Im oberen Bett liegt man leider sehr nahe an der Klimaanlage und den Lampen, aber es war trotzdem vollkommen ausreichend für eine Nacht (man sollte aber eine Strickjacke oder einen dünnen Schal greifbar haben). Wir hatten beide unser ganzes Gepäck (große und kleine Backpacks) im Bett dabei und hatten trotzdem genug Platz für unsere Beine und konnten ziemlich gut schlafen. Es gab saubere Toiletten sowie Waschbecken und Spiegel, so dass man sich auch ein bisschen frischmachen konnte.

Die Züge in Thailand haben alle so tolle Namen wie Rapid oder Express, sind aber nicht gerade die schnellsten. Je nach Zug wird in jedem Dörfchen angehalten und das auch öfter mal für zehn oder fünfzehn Minuten. Dabei steigen oft Verkäufer ein, die durch die Wägen gehen und ihre Ware anbieten, verschiedene Snacks, Mahlzeiten und Getränke. Manche der Verkäufer bleiben die ganze Fahrt dabei, manche steigen wieder aus bevor der Zug losfährt, aber man ist auf jeden Fall während der Fahrt ausreichend versorgt.

Wenn man mit dem Zug beispielsweise nach Surat Thani oder Chumphon fährt, kann man direkt mit dem Zugticket auch gleich ein Fährticket kaufen, so dass man sich nicht mehr vor Ort darum kümmern muss und man auch den Transfer vom Bahnhof an den Hafen inklusive hat.

Fährt man mit dem Zug über die Grenze nach Malaysia, ist das auch total unkompliziert. Irgendwann müssen alle mit ihrem Gepäck raus aus dem Zug zum ersten Schalter, wo man seine Ausreisekarte für Thailand abgibt und einen Stempel in den Pass bekommt, dann geht es weiter zum zweiten Schalter, wo man den Einreisestempel bzw. das „Visum“ für drei Monate für Malaysia erhält, und wieder zurück in den Zug. Wie es an anderen Grenzübergängen, zum Beispiel nach Kambodscha abläuft, können wir leider aktuell nicht sagen.

Das Zugfahren in Thailand, vor allem in der dritten Klasse, ist perfekt für Budgetreisende wie uns, die das Land besser kennen lernen wollen. Man sieht tolle Landschaften, Tempelanlagen und ursprüngliche Dörfer an sich vorbeiziehen, kann tolle Sonnenauf- und Untergänge genießen und erlebt auch im Zug immer etwas.

Auch wird man von den Einheimischen sehr gut aufgenommen und kommt mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. Man muss aber Zeit und Geduld mitbringen, denn mit Verspätungen muss leider immer gerechnet werden. Deshalb sollte man auch genug Zeit zum Umsteigen in Bangkok einplanen oder lieber zur Sicherheit das Weiterfahrtticket erst dort kaufen oder eine Nacht dort bleiben. Wir hatten mehrmals Verspätungen von mehreren Stunden (noch schlimmer als die DB ;-)) Es ist aber definitiv ein Erlebnis und man sollte es mal gemacht haben! 🙂