Als wir im Januar 2016 in Kambodscha waren, wollten wir natürlich auch die berühmten Tempel von Angkor sehen. Das Angkor-Areal zieht sich über mehr als 200 Quadratkilometer und bis heute wurden dort über 1000 Tempel und Heiligtümer entdeckt. Herzstück und besonders bekannt ist der größte Tempelkomplex der Welt, Angkor Wat.

Da wir sehr auf unser Budget achten und die Tempel eine sehr teure, aber definitiv lohnenswerte Sehenswürdigkeit sind, wollen wir euch hier vorstellen, wie wir für möglichst wenig Geld einiges sehen konnten und ein paar andere nützliche Tipps und Infos mit auf den Weg geben.

Ticketarten, Kosten und Dauer des Besuchs
Es gibt 3 unterschiedliche Tickets. Alle Tickets kann man auf dem Weg zu Angkor Wat am Haupteingang kaufen. Sie werden an vielen Tempeln kontrolliert und man muss sie immer dabei haben, sonst drohen hohe Strafgebühren.
Das Ein-Tages-Ticket kostet 20 US-Dollar pro Person, das Drei-Tages-Ticket kostet 40 US-Dollar, die man innerhalb von 7 Tagen einlösen muss und das längste ist das Sieben-Tages-Ticket, das 60 US-Dollar kostet und für einen Monat gültig ist. Für alle Tickets wird ein Foto des Inhabers gemacht und auf das Ticket gedruckt. Mit diesen Tickets sind die meisten Tempel abgedeckt, laut Informationen aus dem Internet müssen nur der Phnom Kulen und der Beng Melea extra bezahlt werden, aber alles was wir sehen wollten, war in unserem Ticket enthalten.
Wir haben uns dazu entschieden, nur einen Tag in Angkor zu verbringen. Die Preise sind an sich für solch eine berühmte Sehenswürdigkeit in Ordnung, aber für asiatische Verhältnisse doch recht hoch, weshalb wir nicht mehr als 20 Dollar pro Kopf ausgeben wollten. Auch im Nachhinein sehen wir dies als die richtige Entscheidung, es war ein anstrengender Tag, aber wir haben alle Höhepunkte gesehen. Um mehr auf die einzelnen Tempel einzugehen oder mehr als die Tempel des kleinen Rundgangs (dazu gleich mehr) zu machen, sind allerdings mehrere Tage zu empfehlen, denn mehr als die kleine Tour hätten wir an den Tag nicht gepackt. Zeitlich wäre es möglich gewesen, vor allem mit Tuktuk, aber dann wären es auch einfach zu viele Eindrücke an einem Tag gewesen, so dass man es nicht mehr richtig hätte genießen können.

Die unterschiedlichen Tempel und Touren
Das Areal mit den Tempeln von Angkor ist unterteilt in unterschiedliche Touren und „Gruppen“. Es gibt die kleine Tour mit etwa 17 Kilometern Länge und 10-12 Tempeln, auf der man alle „wichtigen“, bekannten Tempel im Hauptareal besucht. Für diesen Rundkurs haben wir uns entschieden, weshalb wir euch hier die einzelnen Tempel kurz vorstellen wollen.

Angkor Wat ist der größte Tempel der Welt. Die pyramidenförmige Anlage wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert gebaut. Die eigentliche Anlage ist noch umgeben von anderen Gebäuden und Seen, von wo aus man einen tollen Blick auf den Sonnenaufgang hat. Die Pyramide hat drei Ebenen und fünf Türme. In der ganzen Anlage finden sich überall kleine Details, Muster und Figuren in den Steinen, die uns sehr gut gefallen haben. Vom mittleren Turm aus hat man einen schönen Ausblick auf die Größe der ganzen Anlage. Wir fanden Angkor Wat nicht den schönsten Tempel, den wir gesehen haben, aber die enorme Größe war auf jeden Fall sehr beeindruckend!

Angkor Thom ist eine alte Königshauptstadt, die sich auf 9 Quadratkilometer verteilt. Die Anlage ist von einer Mauer umgeben, man betritt sie durch eines der wunderschönen Toren, die mit jeweils 4 Gesichtern bestückt sind. In der Königsstadt befinden sich diverse Tempel wie der berühmte Bayon-Tempel, der Phimeanakas-Tempel oder der Baphuon-Tempel, die Elefantenterrasse und die Terrasse des Lepra-Königs. Da sich alle Gebäude außer den Tempeln und den Terrassen aus Holz befanden, so auch der Königspalast, sind diese heute verschwunden.

Der Bayon-Tempel, der sich ebenfalls in der alten Königshauptstadt Angkor Thom befindet, ist ein sehr bekannter Tempel. Er besitzt insgesamt 37 Türme, von denen in den meisten 4 der berühmten Steingesichter zu finden sind. Auf den ersten Blick fallen einem die Gesichter je nach Licht gar nicht auf, aber wenn man genauer schaut, kann man sie überall in der Tempelanlage finden. Uns hat der Bayon-Tempel sehr gut gefallen, es war das Highlight der Tour und total beeindruckend!

Thommanon und Chau Say Tevoda sind zwei kleine Tempel, die sich genau gegenüber liegen, sehr nahe der Königshauptstadt Angkor Thom auf der Siegesallee. Aufgrund ihrer Größe sind die beiden absolut nichts besonderes, aber trotzdem schön und einen Stopp wert. Viele Tuktuks fahren daran einfach vorbei, so dass hier auch nicht viel los war.

Ta Keo ist ein Tempelberg, der uns besonders aufgrund der zahlreichen, unglaublich steilen Stufen in Erinnerung blieb. Es gibt zwei Terrassen und auf der oberen thront eine dreistöckige Pyramide. Die Anlage war ebenfalls sehr schön, aber bei den Treppen musste man extrem aufpassen, da die Stufen so schmal und steil waren, dass Klettern angesagt war.

Ta Prohm ist eine große Anlage mit einem Tempel, einem Kloster sowie einigen weiteren Gebäuden. Bekannt ist der Tempel aus dem Film Tomb Raider. Er ist sehr zerfallen und zu großen Teilen von den Wurzeln der Würgefeige überwachsen, was ihm irgendwie eine mystische Atmosphäre verleiht. Leider war hier sehr viel los, aber uns hat der Tempel trotzdem gut gefallen.

Banteay Kdei ist ein Klosterkomplex und ähnelt im Stil dem Ta Prohm. Die Anlage ist sehr zerfallen und in schlechtem Zustand. Auch hier waren wir morgens noch fast komplett alleine und konnten in Ruhe durch die Ruinen laufen. Die Anlage ist recht groß und es gab einiges zu sehen, unter anderem war auch hier trotz des Zustandes noch viel Liebe zum Detail zu erkennen.

Prasat Kravan ist ein hinduistischer Tempel und einer der letzten größeren Ziegelbauten. In den Türmen befinden sich eingemeißelt in die Steine tolle Reliefs . Da wir gleich nach dem Sonnenaufgang hierher kamen, waren wir komplett alleine, das Licht fiel perfekt auf die Frontseite des Tempels und es herrschte eine schöne Atmosphäre.

Srah Srang ist ein Wasser-Reservoir, das ebenfalls auf der kleinen Tour liegt. Hat man ein Ticket für mehrere Tage, soll der Sonnenaufgang hier auch sehr sehenswert sein. Wir waren etwa eine Stunde später da und es war auch sehr schön.

Außerdem gibt es die große Tour, die 26 Kilometer misst und vorbei an Angkor Wat, durch Angkor Thom mit den Bayon-Tempel und den Königsterrassen, sowie den Tempeln Preah Khan, Neak Pean, Ta Som, East Mebon und Pre Rup führt. Man kann sie entweder an einem Tag mit der kleinen kombinieren oder zum Beispiel an einem weiteren Tag dranhängen.
Außer den Tempeln auf der großen und der kleinen Tour gibt es noch die Tempel der Roluos-Gruppe sowie ungefähr 7 andere Tempel, die sehr verteilt auf das weite Areal Angkors liegen.
Wir haben „nur“ die kleine Tour gemacht, was für einen Tag, vor allem mit dem Fahrrad, definitiv genug ist. Man sieht viele tolle, beeindruckende Tempel, muss so viele Eindrücke aufnehmen und verarbeiten, dass wir es als ausreichend empfanden. Wir haben auch nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Alle Tempel, die zu den bekannteren zählen, haben wir auf der Tour gesehen.

Fortbewegung
Angkor Wat liegt etwa 6 Kilometer von Siem Reap entfernt, wo sich die ganzen Unterkünfte befinden. Die einzelnen Tempel im ganzen Gebiet liegen auch sehr verstreut auf der großen Fläche.

Es kommt natürlich darauf an, was man sehen will, aber generell kann man sich entweder ein Fahrrad mieten für kleinere Touren und selbst losziehen oder sich einen Tuktukfahrer mieten, der einen für die gebuchte Zeit von A nach B bringt (zusätzlich zum Fahrer gibt es auch immer die Möglichkeit, einen Guide dazuzubuchen, dafür haben wir aber keine Preisinformationen). Tuktuks für einen Tag für die kleine Tour fingen im Hotel bei etwa 13 US-Dollar an, wenn man bereits zum Sonnenaufgang dort sein wollte, waren es gleich 5 US-Dollar mehr. Wir haben unterwegs auch immer wieder Minibusse mit geführten Touren gesehen, für die wir keine Preise wissen, die aber so wie es aussah nur von älteren Rentnergruppen und Asiaten gebucht wurden 😀

Normale Fahrräder haben wir für 2 US-Dollar pro Fahrrad für 24 Stunden gemietet, fast jedes Guesthouse oder Reisebüro in Siem Reap verleiht welche. Auch Mountainbikes standen für etwa 5 US-Dollar am Tag zur Verfügung, sind unserer Meinung nach aber unnötig. Wir hatten zwei alte klapprige Fahrräder, die uns trotz einiger Kilometer, die wir zurückgelegt haben, vollkommen ausgereicht haben. Die Strecke, die wir gefahren sind, war eben und gut befahrbar. Es war nicht viel Verkehr und wir waren zufrieden mit unser Entscheidung, das Fahrrad zu nehmen.

Sonstige (Spar-)Tipps
– Wenn man in einem der Restaurants bei den Tempeln, von denen es genug gibt, etwas essen will, muss man unbedingt handeln. Die angegebenen Preise sind total überteuert. Sobald man die Karte zurück gibt und geht, gehen die Verkäufer schon von selbst mit dem Preis runter, aber viel mehr als die Hälfte des gegebenen Preises sollte man nicht bezahlen.
– Die meisten Unterkünfte und Reisebüros bieten Touren mit Tuktukfahrern an. Diese sind aber normalerweise wesentlich teurer als wenn man auf der Straße einen Tuktukfahrer direkt anspricht. Dort wurde uns sogar ein Angebot für 6 US-Dollar für die kleine Tour an einem Tag geboten, da wir aber noch nicht wussten, wie wir es machen wollten und an welchem Tag, entschieden wir uns dagegen, obwohl der Preis super war.
– Wenn man sich ein Fahrrad mietet, sollte man unbedingt darauf achten, dass man ein Schloss dabei hat. Die Fahrräder lässt man immer außerhalb der Tempel außer Sichtweite stehen. Da man bei Anmietung meistens den Reisepass abgeben muss, sollte man dafür sorgen, dass das Fahrrad nach dem Tempelbesuch auch noch da ist, daher sollte man Fahrräder ohne Schloss gar nicht erst nehmen.
– Wenn man mit dem Fahrrad fährt, sollte man sich eine Karte mitnehmen oder aufs Handy laden. Zum Teil sind die Richtungen und Touren angeschrieben, zum Teil aber auch gar nichts, so dass es manchmal ganz hilfreich war, wenn man sich nochmal versichern konnte.
– Geht man bereits zum Sonnenaufgang zum Angkor Wat, sollte man unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen. In der Tempelanlage ist nichts beleuchtet, die Wege sind total uneben und voller Stolperfallen und mit Taschenlampe hat man bessere Chancen, heil anzukommen 😀
– Wir haben die kleine Tour entgegen der vorgegebenen/empfohlenen Richtung gemacht. An den ersten paar kleineren Tempel war niemand außer uns, wir hatten die Anlagen ganz für uns alleine. Auch die Verkäufer, die uns später an jedem Tempel Essen, Trinken, Kleidung und Deko verkaufen wollten, hatten noch nicht aufgebaut und es war total angenehm. Auch zur Mittagszeit und am frühen Nachmittag war ziemlich wenig los, zu dieser Zeit kamen wir dann zum Abschluss der kleinen Tour bei Angkor Wat an und es waren nicht allzu viele Leute dort.
– Auch wenn man sich mit dem Tuktuk fahren lässt, sollte man unbedingt feste Schuhe tragen. Erstens läuft man doch einiges in den weitläufigen Tempelanlagen und zweitens gibt es in manchen Tempeln Treppen mit so unglaublich schmalen, steilen Stufen, auf denen mir schon mit Turnschuhen nicht ganz wohl war, aber andere mit Flipflops hatten noch wesentlich größere Schwierigkeiten, hoch und vor allem wieder runter zu kommen.