Von Ranong aus fuhren wir mit Toms Vater etwa einundhalb Stunden auf einem Longtailboot nach Koh Chang. Das Boot war total überfüllt, wir konnten uns kaum rühren und waren dementsprechend ziemlich genervt. Außerdem waren wir total gespannt auf das, was uns erwarten würde. Wir hatten schon so viel von der „kleinen“ Koh Chang gehört (nicht zu verwechseln mit Koh Chang im Golf von Thailand) und Bilder gesehen, denn Toms Eltern waren schon in den vergangenen paar Jahren immer dort. Sie wohnten immer im gleichen Resort, freundeten sich mit den Besitzern an und verliebten sich in die untouristische, relaxte Insel. Wir hatten vorab auch im Internet recherchiert und grob zusammengefasst immer ähnliches gehört: die Strände und das Meer sollen nicht soo toll sein, es ist nichts los, im Resort gibt es nur 4 Stunden Strom am Tag und WLAN nur woanders, aber die Insel hatte etwas, was viele immer wieder dorthin zurückzog. Toms Eltern hatten uns zu Weihnachten zwei Wochen dort geschenkt und wir freuten uns nun auf die gemeinsame Zeit, hatten aber auch ein bisschen Angst, dass wir uns langweilen würden 😀
Wir durften gleich als zweite vom Boot, das von Norden nach Süden nacheinander die verschiedenen Strände und Resorts anfährt. Toms Mutter und seine Tante sowie die Besitzerin des Rattana Resorts, San, erwarteten uns schon am Strand. Wir freuten uns über das Wiedersehen, saßen zusammen und erzählen von der Tauchsafari und den vergangenen Tagen und fühlten uns in dem offenen Restaurant mit Blick aufs Meer gleich wohl, so dass die Bootsfahrt schnell vergessen war.
Als wir später unsere Hütte bezogen, waren wir auch sehr zufrieden. Wir hatten einen großen Raum mit Blick aufs Meer, eine bequeme Hängematte auf der geräumigen Terrasse und das einzige, was man hörte, waren die Wellen, die Vögel, die Grillen und ab und zu ein Boot. Abends konnten wir wunderschöne Sonnuntergänge anschauen oder einfach die Nashornvögel in den Bäumen oder die Seeadler am Himmel beobachten.

Damit begannen zwei total entspannte Wochen für uns. Es war das erste Mal in dem letzten halben Jahr, dass wir irgendwo mehr als sieben Nächte blieben und wir freuten uns auf die Zeit ohne packen und reisen.
An vielen Tagen auf Koh Chang machten wir einfach nichts. Wir lagen in unserer Hängematte, lasen, spielten abends mit Toms Familie nach dem Essen noch ein paar Spiele und genossen die Ruhe. Es war genau das, was wir gebraucht hatten und tat uns sehr gut. Wenn wir WLAN wollten, mussten wir zwei Resorts weiter gehen, wo wir auch einige Stunden verbrachten, dort frühstückten oder etwas tranken.

In die andere Richtung waren wir in wenigen Minuten an einem schönen Strand mit klarem, erfrischendem Wasser und so machten wir uns entspannte Tage bei meistens tollem Wetter. Auf der Terrasse und im Restaurant ging trotzdem immer eine leichte Windbrise, so dass man es perfekt aushalten konnte.

Wir lagen aber nicht zwei Wochen nur in der Hängematte, sondern haben auch ein bisschen von der Insel gesehen.
An unserem sechsten Tag dort machte der angestellte Burma mit uns beiden und Toms Tante eine Bootstour. Mit einem kleinen Motorboot tuckerten wir einmal komplett um die Insel herum. Wir sahen schöne Strände, felsige Küstenabschnitte, Fischerboote und fuhren vorbei am Stelzendorf der Seenomaden. Einmal hielten wir an einem ruhigen Strand ganz im Süden der Insel an und blieben dort eine Weile, später gingen wir in einem kleinen Supermarkt etwas trinken und gegen Nachmittag kamen wir zurück nach einem tollen Tag, an dem wir uns mal einen Überblick von der Insel verschaffen konnten.

An unserem Jahrestag wollten Tom und ich Pizza essen gehen, was wir schon lange nicht mehr hatten. Am Long Beach, dem Hauptstrand der Insel, gab es eine Pizzeria, die sogar echt gut sein sollte.
Nach dem Frühstück gingen wir zum Morgenboot, mit dem wir bis ans Ende der Tour südlich des Long Beach fuhren. Wir hatten dabei eine lustige Fahrt mit netten Gesprächen 🙂 an der letzten Station stiegen wir aus und machten uns zu Fuß auf den Weg Richtung Norden. Wir gingen zwischendrin mehrmals was trinken und machten so einen schönen, entspannten Spaziergang entlang des Strandes. Als wir allerdings bei dem italienischen Restaurant ankamen, wurden wir leider enttäuscht, da es nur an einem Abend in der Woche Pizza gab. Wir liefen weiter über den Berg und kamen am späten Nachmittag wieder zurück in unser Resort. Der Tag war trotzdem sehr schön, aber die Pizza musste leider auf ein anderes Mal verschoben werden.

Man lernte in unserem Resort sowie dem Resort nebenan auch schnell alle Leute kennen, da es einfach nicht so viele waren. So kam man mit vielen interessanten Leuten ins Gespräch und an manchen Abenden traf sich eine Gruppe am Strand, um gemeinsam Volleyball zu spielen. Es war alles sehr familiär, so wie wir es zuvor noch nie erlebt hatten. Alles, was wir aßen und tranken, schrieben wir in unser Buch, bezahlt wurde erst ganz am Ende des Aufenthaltes. Auch in vielen anderen Resorts lief das so ab, die Leute waren alle sehr entspannt und total offen. Das Motto der Insel ist „solowly solowly“ und das zeigte sich auch überall im Alltag. Auch die Herzlichkeit und das persönliche Verhältnis fanden wir dort sehr toll. Der Abschied von Pat und San waren herzliche Umarmungen und selbst in dem Resort, in dem wir öfter wegen des WLANs waren, wurden wir zum Abschied gedrückt.

An unserem vorletzten Tag (wir konnten kaum glauben, wie schnell zwei Wochen mit Nichtstun verstreichen können) gingen wir mit Toms Tante nochmals zum Long Beach. Viele hatten uns schon erzählt, dass dort so ein schöner See nahe des kleines Dorfes sei, wo man toll baden kann. Wir beschlossen also, nochmal aktiv zu werden und gingen nach dem Frühstück los, über den Berg zum Long Beach. Dort liefen wir eine Weile am Strand entlang und bogen dann Richtung Village ab. Es war schon den ganzen Morgen etwas grau und bewölkt, aber kaum im Dorf angekommen, fing es an stark zu regnen, so dass wir erst mal eine Pause einlegten. Kurz danach konnten wir problemlos weitergehen und erreichten bald den See. Dieser war leider absolut nichts besonderes und wir konnten nicht verstehen, dass manche immer den weiten Weg liefen, um dort baden zu gehen, wenn man das Meer direkt vor der Nase hat 😀

Auf einmal kamen von hinten zwei Hunde angerannt und begleiteten uns, ein großer schwarzer und ein kleiner schwarz-weißer. Wir beachteten die beiden nicht weiter und der Große war auch bald wieder weg, indem er einer Frau beim Baden leicht aufdringlich Gesellschaft leistete 😀 der kleine Hund allerdings lief immer vor uns her, wenn wir ihn mal überholten kam er uns nachgerannt, wenn wir stehen blieben blieb er stehen. Unterwegs wurde er von zwei großen Hunden angegriffen und humpelte dann sogar ein bisschen. Keiner von uns hatte ihn gestreichelt oder sonst irgendein Zeichen gegeben, aber den ganzen langen Weg von mehreren Kilometern begleitete er uns, bis vor unsere Terrasse. Vor der Treppe blieb er liegen, bis wir irgendwann später zum Bungalow von Toms Eltern gingen und er uns gleich folgte. Ich gab ihm dann etwas zu trinken und streichelte ihn vorsichtig und er war gleich total anhänglich. Wir stellten fest, dass sie ein Weibchen war und total weich und gepflegt, so dass wir uns fast sicher waren, dass sie einen Besitzer hatte und kein wilder Hund war. Den ganzen Abend über sahen wir sie immer wieder zwischen den Bungalows umherhumpeln. Wir fragten Pat, den Besitzer unseres Resorts, was wir mit ihr machen sollten und beschlossen dann, abzuwarten, ob der kleine Hund am nächsten Morgen noch da wäre. Pat und San hatten selbst einen Hund und waren sehr tierlieb, so dass sie mit uns eine Lösung finden wollten und uns glücklicherweise halfen. Am nächsten Morgen sahen wir den Kleinen dann auch gleich wieder und es war klar, dass er nicht alleine zurückgehen würde, vielleicht auch nicht konnte, da sein Pfötchen irgendwie verletzt war. Wir gaben ihr erst mal was zu essen und trinken und gegen Mittag setzte ich mich eine Weile zu ihr, streichelte sie und versuchte ihr Vertrauen komplett zu gewinnen – der Plan war nämlich, dass ich mit dem Hund und Pat auf dem Roller zurück zu dem See fahren sollte. Der Hund ließ sich zum Glück problemlos hochheben und schien mich auch sehr zu mögen, so dass mir der Teil weniger Angst bereitete als das Roller fahren. Ein Teil des Weges war zwar geteert, aber der erste Teil war nicht mehr als ein unebener, löchriger, steiniger Feldweg, außerdem hatte es morgens noch geregnet und ich fuhr sowieso nicht gerne Roller. Aber was macht man nicht alles für einen kleinen süßen Hund?! Ich setzte mich also mit Hund im Arm hinten auf den Roller und los ging das Abenteuer. Sie war ein bisschen ängstlich und nicht ganz so begeistert, aber bis auf ein bisschen rumzappeln blieb sie einigermaßen ruhig auf meinem Schoß sitzen. Auch als wir zwischendrin mal absteigen mussten, damit Pat den Berg hochkam, ließ sie sich wieder hochnehmen und die Fahrt konnte weitergehen. Wir fragten an ein paar Stellen, ob jemand den Hund kannte, aber leider war das nicht der Fall. In der Nähe des Sees standen ein paar Häuser, aber dort war niemand zu Hause. Wir hatten keine Ahnung, was wir machen sollten. Der Hund folgte mir auf Schritt und Tritt und selbst als wir ein Stück mit dem Roller fuhren, rannte er sofort hinterher. Nahe der Häuser trafen wir dann einen Mann, dem wir den Hund gaben und dann zurückfuhren. So konnte sie uns nicht nachrennen und wir hofften von ganzem Herzen, dass sie zurück zu ihrem Zuhause finden würde.

Den Mittag verbrachten wir auf unserer Terrasse und fuhren dann noch eine Weile mit dem Kayak zu einer kleinen Insel vor Koh Chang. Es war ein schöner, entspannter letzter Tag auf der Hängenmatteninsel 😀 abends saßen wir wie immer zusammen beim Essen, spielten noch einmal Karten und am nächsten Vormittag mussten wir dann wieder packen und alles zusammensuchen. Gegen 14 Uhr nahmen wir das Boot zurück nach Ranong.

Unser Fazit zu Koh Chang fiel definitiv sehr positiv aus! Die befürchtete Langeweile trat nie ein und wir genossen es total, nichts zu machen. Die Ruhe und die bestimmte Atmosphäre auf der Insel sind schwer in Worte zu fassen, aber Koh Chang ist so entspannt und familiär und etwas ganz besonderes. Der Tourismus hält sich noch stark in Grenzen und die Leute, die dorthin gehen, suchen alle komplette Ruhe und wollen einfach abschalten. Die Tage vergehen wie im Flug, und das obwohl man nur lesend in der Hängematte liegt, im Restaurant sitzt und quatscht oder sogar einfach nichts tut. Die familiäre Stimmung in den Resorts, die menschenleeren Traumstrände, die traumhaften Sonnenuntergänge und die relaxten Leute schaffen etwas ganz besonderes. Auch die Tierwelt hat uns gut gefallen und wir hatten großen Spaß dabei, die Eidechsen, Geckos, Schmetterlinge zu beobachten, abends den riesigen Gruppen von Einsiedlerkrebsen zuzuschauen, wie sie sich über die Cashewfrüchte hermachten und die Nashornvögeln beim Essen der Bananen zu fotografieren. Auch wenn es manchmal nervig war, war es auch mal eine gute Erfahrung, mit nur vier Stunden Strom am Tag auszukommen und nicht ständig im WLAN zu sitzen, was man halt doch immer irgendwie macht, wenn Internet verfügbar ist. Die Natur der Insel war sehr schön, wenn wir zum Long Beach gingen führte unser Weg vorbei an Kautschukplantagen, Cashew- und Jackfruchtbäumen, über gemusterten Strände, steinige Küsten, morsche Brücken und enge kleine Wege. Ein Besuch der Insel ist auf jeden Fall zu empfehlen für Ruhesuchende zum Runterkommen und Entspannen und wir haben unsere Zeit dort sehr genossen, also danke nochmal für das tolle Weihnachtsgeschenk 🙂